Fäden und Draht
Die Kunsthandwerkerin Alda Bugeja hält alte gozitanische Handwerkstraditionen am Leben. Vom Busbahnhof in Rabat/Victoria aus erreicht man ihren Laden in wenigen Minuten. Er liegt in einem der schmalen Altstadtgässchen, Adresse: 88 Triq Palma.
Drei Webstühle stehen in der engen Werkstatt. Als ich vorbeikomme, fertigt ein Junge gerade Mitbringsel für seine Firmung aus Makramee. Eine Frau bucht einen Workshop im Teppichweben. Ich entscheide mich für filigrane Drahtblumen – dazu wird es einen separaten Bericht geben, sobald ich in die Technik eingewiesen wurde.



St.-Georgs-Basilika
In der St.-Georgs-Basilika nehme ich ungeplant an einer Messe teil. Eigentlich wollte ich nur das Kameraobjektiv wechseln, als ich mich hinsetzte. Doch dann begann die Liturgie. Um nicht zu stören, blieb ich.
Da ich die Sprache nicht verstehe, konzentrierte ich mich auf den Klang – und hörte den Namen „Alla“. Im Maltesischen heißt Gott „Alla“, auch für Christen. Der Begriff stammt direkt aus dem arabischen „Allāh“ (الله), da Maltesisch eine semitische Sprache mit starkem arabischem Einfluss ist. Während der Messe wird einem durch die Sprache bewusst, wie eng die gemeinsamen Wurzeln der drei monotheistischen Religionen sind.
Wer die Messe nicht besuchen möchte, sollte die Kirche erst ab 11 Uhr betreten – dann werden zwar drei Euro Eintritt verlangt, aber der Besuch lohnt sich. Die Basilika ist beeindruckend: viel barockes Gold und im Boden Steinintarsien. Verschiedenfarbige Steine wurden so eingelassen, dass sie als Grabplatten flache Muster bilden. Die Steine sind glatt geschliffen und liegen bündig mit der Oberfläche.


Zitadelle
Anschließend mischte ich mich unter Hunderte von Touristen und besichtigte die Zitadelle über der Stadt mit dem alten Gefängnis. Das Archäologische Museum wird bald umziehen. Die Kathedrale und das dazugehörige Museum fesselten mich weniger – obwohl es dort bischöfliche Gewänder, Papstmemorabilien, Kirchenschmuck und sogar die Kutsche des ersten Bischofs von Gozo zu sehen gibt.



Der Hinterausgang der Zitadelle führt an den Toiletten vorbei durch einen Gang ins Freie – in einen wunderschön angelegten Garten, den kaum ein Besucher zu bemerken scheint.

Nur eine Straße weiter beginnt ein befahrbarer Weg, der durch eine Trampelpfadpassage am Wied ta’ Grezzju entlangführt. Buntfrösche quaken, üppige Kapuzinerkresse in Gelb und Orangerot wuchert über die Fahrbahn, wilde Orchideen säumen den Weg.


Hofladen Ta’ Mena
Unterwegs kaufte ich im Hofladen Ta’ Mena selbstgemachte Kaktusfeigen- und Kamillenmarmelade, Johannisbrotbaumsirup, Kapernpaste und Pistaziensalami. Doch der Laden wird bald verschwinden – er muss der neuen Straße weichen. Die Besitzerin erzählt, sie wolle aufhören. Sie habe den Tod ihres Mannes und ihrer Schwester erlebt, ihre Tochter habe eine andere Arbeit gefunden. Mit 66 arbeite sie nun allein, jeden Tag, und die Farm, wie sie sie geplant hätten, sei noch nicht einmal fertig. Es fehlen sogar die Toiletten.
Als ich gehe, schließt sie die Tür. Sie müsse heute früher aufhören, sagt sie, der Pfarrer komme, um das Haus zu segnen. Sie werde weggehen, sie könne nicht mehr. Ihre Stimme klingt traurig, und sie schenkt mir eine Pistaziensalami und zusätzliche Marmeladen – ein Ausverkauf eines köstlichen Lebenstraums.

Ta’ Salvatur
Nicht nur das Haus, auch die Wanderin und der Wanderer werden gesegnet.
Den letzten Abschnitt des Weges gehe ich unter den Augen des „Erlösers von Ta’ Salvatur“. Die erste Statue, 1906 aufgestellt, war nicht wetterfest, die nächste wurde vom Blitz getroffen. Die heutige hat einen Blitzableiter und hält der Witterung bisher stand.

Der Weg führt nach Marsalforn. Dort halten die Busse 310 und 322.