Von Rabat/Victoria zur Dwejra-Bucht und zur Lagune (8,8 km)

Osterglocken

Heute bin ich um 6:30 Uhr aufgestanden, um den Bus zu erreichen und rechtzeitig zur Osterprozession in Victoria/Rabat zu kommen. Am Zielort angekommen, wartete ich darauf, dass sich das Portal öffnete. Eine Kapelle bereitete sich vor. Zwei Fahnen wurden entrollt. Zwei Jungen standen mit Ohrenschützern in den Glockentürmen. Die Glocken begannen zu läuten – erst mit einzelnen Schlägen, dann schneller. Während des Wartens spürte ich einen freudigen Druck in der Brust. Die einzige Erklärung dafür ist „Ergriffenheit“. Ich bin nicht katholisch, die Rituale sind mir fremd, und doch hat mich die feierliche Stimmung ergriffen.

Dann setzte sich die Prozession langsam in Bewegung, und eine Christusfigur wurde zu Schunkelblasmusik durch die Gassen getragen.

Das fruchtbare Wied il-Lunzjata

Ich setzte meinen Weg abseits der Prozession fort und machte einen Abstecher ins ganzjährig grüne Wied il-Lunzjata, ein Tal mit einer Quelle, einem kleinen Kapellchen und Aushöhlungen im Felsen. Von dort stieg ich die Treppen hinauf nach Ta’ Kerċem.

Ta’ Sarraflu-Teich

Eine Fahrstraße folgte ich zum einzigen Binnengewässer Gozos. „See“ wäre übertrieben – es ist eher ein Tümpel. Schilder weisen darauf hin, dass hier das einzige Amphibium Gozos lebt: der streng geschützte Buntfrosch. Ich hörte ihn quaken, bewunderte schwimmende Schildkröten und drei Enten und wunderte mich über die Beliebtheit des winzigen Gewässers, das vermutlich viele Einheimische anzieht. Neben dem Tümpel befindet sich ein riesiger, schön angelegter Picknickpark.

Fungus Rock ohne Pilze

Ich begab mich auf den mit roten Punkten markierten Küstenweg, der anfangs breit und eben verläuft – etwa bis zu den beeindruckenden Sandsteinwänden, die wie Wellen geformt sind. In ihrem Schatten machte ich eine Pause und genoss die Sicht auf die felsige Küstenlinie. Doch dann ging es über steile, stufige Passagen zum Blue Hole, einer leuchtend blauen Meeresbucht, der der Fungus Rock, ein Kliff mit Loch, vorgelagert ist.

Der Felsen ist nicht pilzförmig. Auf ihm wachsen jedoch Malteserschwämme – seltene, rötlichbraune Pflanzen ohne Chlorophyll, die als Schmarotzer leben. Sie werden etwa 15 bis 30 cm groß und sind phallisch geformt. Ich habe keine gesehen und weiß nicht, ob sie dort noch wachsen. Früher wurden sie von den Maltesern auf dem Felsen in großer Zahl angebaut. Eine Seilbahn transportierte die Pflanzen ans Ufer, wo sie vor blumenpflückenden Spaziergängern sicher waren.

Hübsch sind sie nicht, doch dass sie aufgrund ihrer Form als Aphrodisiakum teuer gehandelt und im 17. und 18. Jahrhundert an europäische Fürstenhäuser verkauft wurden, überrascht nicht. Auch blutstillende und wundheilende Eigenschaften werden dem Blütensaft nachgesagt, doch eine medizinische Wirksamkeit wurde nie nachgewiesen.

Dwejra

Vom Blue Hole nach Dwejra, einer mit dem Meer durch einen Durchlass verbundenen Salzwasserlagune, musste ich ordentlich klettern.

Als ich die Kuppe erreichte, war es mit der Einsamkeit vorbei. Auf dem Parkplatz außerhalb des Trubels aß ich unter einem Sonnenschirm mit tollem Blick auf den Fungus Rock frittierte Calamares und Garnelen.

Dann arbeitete ich mich zwischen Quads, Enduros, Hop-on-Hop-off-Bussen, Autos jeden Baujahrs und Imbisswagen zur Lagune vor. Der Ort ist idyllisch: Bootsgaragen mit bunten Toren stehen am felsigen Ufer des Wasserbeckens. Kirmesstimmung, Toilettenschlangen und eine gut besuchte Kapelle prägen den Platz.

Ich ergatterte ein schattiges Plätzchen unter dem Vordach eines geschlossenen Souvenirladens. Auch im Schatten wurde es eng. Der Bus an der Haltestelle Dwejra verkehrt an Feiertagen nur stündlich – und war voll, übervoll.

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