Felsenfenster und Frömmigkeit (9 km)

Von Marsalforn aus kommt man zuerst an einer der üblichen Instagram-Locations vorbei: Ein Schild mit einem Herzen und dem Ortsnamen, mit dem Besucher ihre Liebe zu diesem Dörfchen ausdrücken können, sowie eine Hollywoodschaukel mit Meerblick. Es folgt ein schön angelegter Park mit Picknicktischen und sogar ein Spielplatz mit einer Rollstuhlschaukel.

Gefallen hat mir unterwegs an einem Wohngebäude ein Vorhang aus den Deckeln von Getränkeflaschen: Farbenfrohes Upcycling! Ob ich mir das nachbasteln soll für meine Bürotüre in den Garten?

Dann führt der Weg am Meer entlang, recht eben, mit Blick auf die Salzpfannen in Xwejni.

Wann ist Erntezeit in den Salzpfannen?

Als ich heute an den in das Küstengestein gehauenen Salzpfannen vorbeikam, war es stürmisch. Schauer wechselten mit Sonne ab. Gischt der sich brechenden Wellen schwappte über die an manchen Stellen regelmäßig wie Gräber angelegten Vertiefungen. Die ältesten sollen aus der Zeit der Römer stammen.

Die neue Ernte wird erst bei anhaltendem Sonnenschein erwartet. Im Sommer, bei ruhigerem Wasser, wird das Meerwasser zuerst in Becken gesammelt, in denen sich der Schmutz absetzen kann und dann in die Vertiefungen gepumpt. 3% Salzgehalt hat das Mittelmeer. Bei dem momentanen Wetter kann man sich kaum vorstellen, dass das Wasser nach sieben Tagen in einer der flachen Mulden verdunstet ist und man das Salz aus den Pfannen kehren kann und zum Nachtrocknen auf Podeste häufelt.

Verblüffend, dass die Salzgewinnung als Landwirtschaft gilt. Auf Schildern wird gebeten, die privaten landwirtschaftlich genutzten und kulturell wertvollen Felder nicht zu betreten und nicht zu vermüllen.

Schmeckts?

Ich hätte gerne das Salz verkostet. Auf der dem Meer abgewandten Seite des Küstenwegs, über den heute Wellen schwappen, sind blaue Türen in den Stein gehauen, zu denen Treppen führen, hier befinden sich die Lager- und Verkaufsräume. Das Salz wird direkt vor Ort in Säckchen abgefüllt und vertrieben. Die Lädchen haben aber noch zu. Mineralhaltig soll das Meersalz sein, mehr Kalzium enthalten als das Steinsalz oder Kochsalz.

Ich habe in Marsalforn erfahren, dass der bisherige Salzbauer letzte Woche verstorben sei, seine Tochter aber das Gewerbe weiter betreiben wolle, eine anstrengende die Arbeit in der prallen Sonne. Hier der Link zu den Salzbauern: xwejnisaltpans.com

Das Felsenfenster it-Tieqa ta’ Wied il-Mielaħ.

Auf einem landwirtschaftlichen Weg erreicht man das neue Azur Window, das it-Tieqa ta’ Wied il-Mielaħ. Es ist nicht das, was man sich unter einem „neuen Fenster“ vorstellt. Vermutlich hat es bereits einige Jahrtausende auf dem Buckel. Ganz sicher ist es im Wortsinne steinalt. Doch zuvor hat ihm ein anderer Kalksteinbogen die Show gestohlen: Dieser kippte 2017 bei einem Orkan ins Meer und beraubte Gozo damit seiner beliebtesten Sehenswürdigkeit. Also musste ein anderer Kalksteinbogen touristisch erschlossen werden.

Ein 570.000 Euro teures, EU-gefördertes Projekt hat die Abwasserleitung umgeleitet, die Straße erneuert und die Treppe für Taucher erweitert, um den Zugang zum Wasser zu verbessern. Dennoch: Zumindest heute hielt sich der Ansturm in Grenzen. Außer einem Parkplatz gibt es keine touristische Infrastruktur – und man muss keine Touristen beiseiteschieben, um einen Blick durchs Fenster aufs Meer zu werfen.

Leuchtturm Ta’ Ġurdan

Keine Sorge: Der nächste Eiswagen ist trotzdem nicht weit. Allerdings muss man bergan mit Blick auf den Leuchtturm Ta’ Ġurdan. In der Nacht sendet er einen weißen Blitz alle 7,5 Sekunden, der aus bis zu 37 km Entfernung zu sehen ist, damit kein Schiff aus Versehen Gozo rammt.

Im Inneren des Turms befindet sich zusätzlich eine Wetterstation, die Daten für die Global Atmosphere Watch erhebt, sowie vor dem Turm eine Radarstation.

Bald kommt das Heiligtum Madonna ta’ Pinu, eine Wallfahrtskirche, in den Blick. Sie ist erst 100 Jahre alt. Die Kirche selbst ist innen an sich nichts Besonderes. Besonders aber sind die zahlreichen Votivgaben in den beiden Seitenkapellen, die Pilger als Zeichen ihrer Dankbarkeit für erhaltene Heilungen oder Erhörungen hinterlassen haben: Neben den üblichen, kleinen, silbernen Ex-Votos in Augen-, Bein- oder Herzform gibt es Korsetts, viele Strampelanzüge, Krücken, eine verbogene Fahrradfelge, Mofahelme, Halskrausen, Gipsverbände und Dankesbriefe.

An der Haltestelle 1891 kann man, gut versorgt von einem Eiswagen, auf den Bus 308 nach Victoria/Rabat warten.

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